Winter in Windhaag: Das „Landkrimi“-Kapitel Oberösterreich

Die Serie „Landkrimi“ des ORF arbeitet kulturelle Differenzen zwischen den einzelnen Bundesländern im doch so kleinen Österreich heraus. Das muss abseits von Klischees geschehen und steht folglich auf einem besonderen Prüfstand, wenn die „eigene“ Folge rezipiert werden kann: sind wir – konkret geht’s um Oberösterreich – so, wie uns eine natürlich fiktive Geschichte mit erfundenen Charakteren zu zeichnen versucht? Ja, sind wir.

Miriam Fussenegger (Lisa Nemeth) und Maria Hofstätter (Grete Öller) in

Miriam Fussenegger (Lisa Nemeth) und Maria Hofstätter (Grete Öller) in „Der Tote am Teich“ – Foto: Lotus-Film/Petro Domenigg

„Der Tote am Teich“ (2015; Lotus-Film Wien, Regie: Nikolaus Leytner, Drehbuch: Susanne Freund) spielt im Mühlviertel, in Windhaag bei Freistadt, es ist Winter. Der frühpensionierte Inspektor Josef Ahorner zieht mit Schneeschuhen durch die Wälder, um seine Wildkameras zu kontrollieren und entdeckt den mit einem Eisstock erschlagenen Brandner auf der Eisdecke der Stockbahn. Aus Linz rückt das Ermittlerinnen-Duo Grete Öller und Lisa Nemeth an und erarbeitet sich Schritt für Schritt diesen besonderen Mikrokosmos. Hier zeigt sich das Leben von verwandtschaftlichen Banden bestimmt, von inneren Gesetzen um Zugehörigkeit und Ausschluss, von Lebensgewohnheiten wie, dass spätestens um zehn Uhr alle zu Bett gegangen sind. Es ist gezeichnet vom Ungesagten, das sich in stoischen Mienen kommuniziert, vom Verächtlich-Machen jener aus der Stadt, die Linzer natürlich und insbesondere die aus Wien, aber auch von jenen vom Südrand des Mühlviertels, Ottensheim, aus der Perspektive des 50 Kilometer entfernten Nordens an der böhmischen Grenze „so was wie Dschibuti“, sagt Kommissarin Öller einmal. Verbale Schlagfertigkeiten, kulturelle Eigenarten aus Brauchtum und Jahresfestkalender sowie die Schutzinstanz der katholischen Kirche, der man dient und verpflichtet bleibt, helfen beim Überleben.

Hermann Dunzendorfer (Kamera) gestaltete die Reise in die Mühlviertler Seele mit der ihm so eigenen, meisterlichen Bildersprache. Josef Hader zeichnet Ahorner als Spürnase, der offiziell zwar aus dem Dienst ausgeschieden das Ermitteln nicht sein lassen kann, sogar um den Preis, aus der Dorfgemeinschaft verstoßen zu werden. Er lebt bei seiner Mutter, die großartige Ernie Mangold gibt ihr Gestalt und Lebensweisheit. Maria Hofstätter zeigt eine anfangs mürrische Kommissarin, die selbst und im Team mit ihrer jungen Assistentin (Miriam Fussenegger) an der Aufgabe wächst. In vielen Kleinrollen sind mal mehr, mal weniger bekannte Gesichter hervorragend besetzt, u.a. Philipp Hochmair, Ferry Öllinger, Rainer Wöss, Wiltrud Schreiner oder Martina Spitzer.

„Der Tote am Teich“ läuft zur Zeit in verschiedenen Kinos, Anfang November erscheint der Film auf DVD, im Fernsehen wird er gegen Ende des Jahres zu sehen sein. Eine absolute Empfehlung!

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