Rezepte der Gastfreundschaft: „Teilgaben“ zu einem globalen Wert

Globalisierung wird im Diskurs zumeist auf ihren ökonomischen Aspekt reduziert. Die kulturelle Globalisierung bleibt ein spannendes Feld für Erfahrungen und Erkenntnisse. Was geschieht beispielsweise mit einem bedeutenden globalen Wert unseres Zusammenlebens, der Gastfreundschaft? Der Sommer 2015 hat in Momenten aufblitzen lassen, wie Gastfreundschaft gelebt wird, etwa im fröhlichen Lachen des syrischen Kindergesichts, als die Dusche aus dem Feuerwehrschlauch Abkühlung brachte, oder in den hilfreichen Händen an den Bahnhöfen, die den durchreisenden Flüchtlingen Wasser, Essen, Hygieneartikel und vieles mehr reichten.

„Die Fabrikanten“ aus Linz, deren Kunstprojekte sich dem Satz „Kultur wächst durch Begegnung“ verpflichtet zeigen, machen den in allen Kulturen beheimateten Wert Gastfreundschaft nun sichtbar. Möglichst viele Menschen sollen ihre Erfahrungen beitragen. Es geht um „Teilgaben“ (als Komplementärbegriff zu „Teilnahmen“), wie dies Gerald Harringer von den „Fabrikanten“ sehr gerne bezeichnet.

Für ein Buch werden, so auch sein Titel, „Rezepte der Gastfreundschaft“ gesammelt, Rezepte in zweifacher Bedeutung: einerseits geht es um Erfahrungen von und mit Gastfreundschaft, andererseits um die Zubereitung von Gerichten aus internationalen Küchen. Ein gemeinsames Mahl, die Stärkung und darin die Sicherung der physischen Existenz eines jeden, gilt als wohl die global vereinheitlichte Geste von Gastfreundschaft.

Kultur wächst durch Begegnung: Im Advent 2014 kochten Menschen, die aus ihrer Heimat Syrien, Irak, Iran, Palästina, Afghanistan, Nigeria oder Kamerun flüchten mussten, und verschenkten ihre Schmankerl an Passanten. Foto: Petra Moser_DIE GABE / Die Fabrikanten

Kultur wächst durch Begegnung: Im Advent 2014 kochten Menschen, die aus ihrer Heimat Syrien, Irak, Iran, Palästina, Afghanistan, Nigeria oder Kamerun flüchten mussten, und verschenkten ihre Schmankerl an Passanten. Foto: Petra Moser_DIE GABE / Die Fabrikanten

So partizipativ wie das Buch entsteht, finanziert sich auch das Projekt. Als gemeinsam gestaltete „Kunst der freundlichen Geste“ ist es Teil jenes Crowdfundings, mit dem die Bank Austria ihren Kunstpreis 2015 neu justiert hat. Crowdfunding als basisdemokratische Finanzierungsform nutzt das Internet, um Ideen an interessierte Menschen heranzutragen, deren Zuspruch sich in der Mitfinanzierung der Realisierung ausdrückt. Die Dotationen sind unterschiedlich hoch, Gegenleistungen erfolgen in kleinen Anerkennungen. Erreicht ein Projekt im finanziellen Wohlwollen der „crowd“ nicht die Höhe des projektierten Budgets, findet die Idee nicht zu ihrer Umsetzung.

Dass nun eine Bank ihre Kunstförderaktivitäten in Crowdfunding einbringt, erscheint als interessanter Entwicklungsschritt der Methode selbst. Crowdfunding inkludiert, dass sich ein Projekt schon vor seiner Umsetzung sein Publikum suchen muss. Der Start der Akquise verläuft erfahrungsgemäß gut, ebenso das Finale, um die angestrebte Projektsumme zu erreichen. Insofern gilt bei der nun laufenden Finanzierungsphase als Regel, dass jedes der insgesamt 32 Projekte mindestens 20 Unterstützer und 33% der Projektsumme gesammelt haben muss, bevor die Bank das zweite Drittel als ihren Förderanteil dazulegt. Das dritte Drittel kommt wieder ausschließlich von vom Ansinnen des Vorhabens überzeugten Mitmenschen.

Der Zeitrahmen der finanziellen Unterstützung für die „Kunst der freundlichen Geste“ erstreckt sich noch bis 25. Oktober 2015. Die Durchführung erfolgt über wemakeit. Ein herzliches Willkommen in der „Teilgaben“-Gemeinschaft für „Rezepte der Gastfreundschaft“!

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