Steigende Ansprüche zahlt immer die Masse

20151223_230637Mit verlässlicher Regelmäßigkeit entnehme ich am 23. Dezember meinem Postkästchen ein Schreiben, das mir die endlich erreichte Weihnachtsstimmung vermiest. Es handelt sich dabei um die Verständigung zur Tarifanpassung meiner Krankenzusatzversicherung. Die schlechte Laune kommt von der Größenordnung der Erhöhung. Für 2016 sind es 4,34 Prozent, die weder mit der Inflationsrate (im Oktober 2015 bei plus 0,7 Prozent) noch mit Gehalts- (plus 1,3 Prozent) oder Pensionserhöhungen (plus 1,2 Prozent) korrelieren.

Ähnliche Prämienprogressionen sind aus den Vorjahren bekannt. Das pauschale Argument meiner und wohl jeder Versicherung lautet stets: steigende Kosten. In den Begleitschreiben liest sich das dann so: „Mit den Ansprüchen an unser Gesundheitssystem steigen auch die Kosten. Wir sind dennoch stets bemüht, Ihnen bestmögliche medizinische Versorgung (…) zu leistbaren Konditionen zu bieten. Daher streben wir in den Verhandlungen mit unseren Vertragspartnern danach, Erhöhungen so gering wie möglich zu halten und diese in moderater Form an Sie weiterzugeben.“

Diese Verhandlungen haben seit Jahren eine Schlagseite. Die Versicherungen gehen immer als die Verlierer, sprich: als Melkkühe vom Verhandlungstisch. Die Mehrkosten – wo bleibt die überfällige Spitalsreform? – werden auf die Versicherungsnehmer übergewälzt. Die Masse zahlt halt. Wie hieß es gleich? „So gering wie möglich … in moderater Form … weiter(zu)geben.“ 4,34 Prozent! Wie moderat ist dies zum Beispiel für einen Mindestpensionsbezieher?

Liebe Versicherungen! Wie wäre es einmal, sich für die Kunden des eigenen Unternehmens, also die Versicherungsnehmer, stark zu machen? Das Gegenargument, Spitäler würden ansonsten Verträge kündigen, ist inakzeptabel. Sollen sie! Machen Sie im Gegenzug den Versicherten namhaft, welche Spitäler im Vertrag bleiben und konsultiert werden können, weil diese ihre Dienstleistung mit Blick auf ein ökonomisch maßvoll geführtes Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft erbringen.

Für 2016 wünsche ich mir wieder einmal im Namen einer unbestimmt großen Zahl von Mitbürgern mehr Verhandlungsengagement der Versicherungen für uns Versicherungsnehmer.

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