Fernsehnostalgie – geschüttelt, nicht gerührt!

20160113_144439Was so ein Sonntagfernsehabend alles für einen bereithalten kann! „James Bond – In tödlicher Mission“ (Großbritannien 1981, Regie: John Glen, gesendet am 10. Jänner 2016 auf ATV) war mein erster „Bond“, den ich im Kino gesehen habe.

Heute, 35 Jahre später, erscheint das Filmepos auf dem Flachbildschirm als schönes Stück Fernsehnostalgie. Die Versenkung von Superbösewicht Blofeld mittels Helicopter-Kufe in einem Industrieschornstein … wie blödsinnig nimmt sich diese pre-title-sequence nun aus! Der Haupttitel und vor allem der von Sheena Easton interpretierte Song „For your eyes only“ behalten sich Klasse und Rang. Überhaupt: Bill Contis Filmmusik hob sich ins Zeitlose (ich hatte sie als 14-Jähriger auf Schallplatte!), das schafft nicht jede.

Anno 1981 bewältigte der ostdeutsche (!) Biathlet seine Laufstrecke natürlich noch im klassischen Diagonalschritt und der Sprung über die Schischanze (Bond mit Alpinschiern, sein Gegner auf den breiten Sprunglatten) erfolgte mit geschlossener Schiführung. Fünf Jahre zuvor, 1976, flog Toni Innauer in Oberstorf so zur fünfmaligen Höchstnote von 20,0. Die Aufnahmen von James Bond (Roger Moore) und Melina (Carole Bouquet) im fahrenden Kutschschlitten, mit dem die rachsüchtige Armbrustschützin zum Bahnhof gebracht werden soll, entspringen guter alter Blue-Box-Technik. Auch die männliche Maßregelung von weiblicher Handlungsinitiative durch den Agenten ist „old school“ und heute sicher nicht mehr vertretbar. Die legendäre Verfolgungsjagd, wenn in Spanien zwei schwarze Peugeot 504 dem quietschentengelben 2CV hinterherrasen, vergnügt weiterhin: was unterscheidet sie von einem Louis-de-Funes-Film? Die auf Schiern über die Hänge von Cortina d’Ampezzo bewahrte sich grandiose Action-Qualität! Herrlich grotesk mutet auch das Computerkämmerchen an, in dem Q (der großartige Desmond Llewelyn) und Bond am „Identographen“ über ein Phantombild den Handlanger Locque ausforschen. Heutzutage würde sich wohl kein Regisseur mehr erlauben, hier eine Szene zu drehen, in der eine Mitarbeiterin den beiden Herren Tee zustellt, einfach so, ohne weitere Relevanz für die Handlung. Ästhetisch überdauern konnten die Unterwasserszenen und auch das Finale in der Klosterfestung behielt über dreieinhalb Jahrzehnte absolut seinen Reiz.

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