Von dem, was man hat, bleibt zumindest ein bisschen was

Adieu, Sparschwein! Als Symbol des Wachstums hast du nunmehr ausgedient

Adieu, Sparschwein! Als Symbol des Wachstums hast du nunmehr ausgedient

Die Bank meines Vertrauens informiert mich in einem Schreiben, dass sie „auf Grund des historisch niedrigen Zinsniveaus“ zu einem bestimmten Stichtag im April den Mindestzinssatz sowie die Basisverzinsung von Spareinlagen von 0,125 auf 0,01 Prozent senken wird.

Ein zartes Hundertstel „Verzinsung“ bleibt also. Warum nicht gleich Null? Naja, von Null berechnen sich weitere Prozente schlecht und der Staat nimmt ja von diesem „fast nichts“ für liegendes Geld weiterhin Kapitalertragsteuer. Schon lange verringert sich erspartes Geld in seiner Wertigkeit stetig, Stichwort Inflation, auch wenn diese zur Zeit vergleichsweise niedrig ist.

Die Niedrigzinspolitik lässt in Zeiten einer vollkommen verrückten Geldwirtschaft – die sich für das Tohuwabohu weiterhin auf die Finanzkrise des Jahres 2008 beruft – von einem beliebten Symbol des Sparens Abschied nehmen, nämlich vom Sparschwein. Der Allesfresser nimmt auf und behält für sich. Wenn das liebe Geld darin bleibt, wird das Schwein mit dem Einwurfschlitz zwar nicht wirklich dicker und das von ihm behütete Geld nicht mehr (nur inflationsbedingt weniger!). Und doch steht’s seit Ewigkeiten als Symbol für Gemästet-Werden, also für Wachstum. Das hat nun bei 0,01 Prozent Mindest- oder Basiszinssatz ein Ende! Das Schwein als unser aller Fetisch der Geldvermehrung hat ausgedient. In aller Konsequenz braucht es „auf Grund des historisch niedrigen Zinsniveaus“ ein neues Schutztier, schmal, schlank, zart, von außen betrachtet unveränderlich, wie ein dürrer Ast lebt oder steht oder liegt es getarnt in der Flora, fahl in der Farbe, noch lebendig oder doch schon tot, zumindest scheintot als Tarnung vor potenziellen Übergriffen auf die zarte Knorrigkeit dessen, was verblieben ist: es braucht eine Spar-Stabheuschrecke.

Mit der verkürzten Bezeichnung von „Spar-Schrecke“ ist wohl auch sprachlich richtig abgebildet, was es heutzutage bringt, einer altgedienten Moral zu gehorchen und von dem, was man hat, etwas zur Seite zu legen. Für später einmal … damit man es besser haben kann … äh, damit man es haben kann … nein!, damit man davon noch etwas haben kann … zumindest ein bisschen was.

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