Stahlstadtkinder leben viel zu schnell

PDonke1981, ich war 14 und besuchte das Akademische Gymnasium in Linz, experimentierten wir Schülerinnen und Schüler, soweit das der Rahmen des ehrwürdigen Schulhauses eben zuließ, mit Optionen eines Ausbruchs aus jenem Establishment, das uns durch die Schullaufbahn (ausgesucht von unseren Eltern) vorgezeichnet worden war.

Nicht nur dass wir wider die Schulhausordnung literweise Kaffee brühten, hatten wir in der Klasse auch einen kleinen feinen tragbaren Plattenspieler und darauf drehten sich in den Schulpausen in 45er-Geschwindigkeit musikalische Entdeckungen einer erwachenden Linzer Musikszene: „Stahlstadtkinder“ von Willi Warma wurde uns Pubertierenden zur Hymne. Die Rebellion fand ein paar Häuser weiter durch Studenten der Kunsthochschule statt, die aus der jungen Bildungseinrichtung ausgestiegen waren und mit der „Stadtwerkstatt“ eine Avantgarde-Oase der bildenden Kunst, der Musik und vor allem, mit ungestümem Pioniergeist, eines freien Kunst-Fernsehens eingerichtet hatten.

„In Linz beginnt’s“ lautete der Claim der Stadt dazumals. Von offizieller Seite war es mehr leerer Anspruch, sogar kompensiert in einer Vereinnahmung der alternativen Kulturszenebewegung für ein Selbstverständnis einer Stadt, die sich des Images eines Hochofenstandorts mit schlechter Luftqualität entledigen wollte.

Ohne diese Bewegungen aus der Künstlerszene selbst wäre Linz heute niemals jene Kulturstadt, als die sie reüssiert, auch wenn der Umgang mit den Vorreitern – ein Schicksal jeder Avantgarde! – von wenig Anerkennung und Dankbarkeit getragen ist.

Umso mehr schmerzt der plötzliche Abgang eines dieser Masterminds. Peter Donke zählte zu den emsigen Kulturarbeitern im Hintergrund. Reflektiert handelnd im Projektmanagement erwies er sich als der Konstrukteur jener „Gerüste“, die die stadtwerkstättische Frontman-Line benötigte, um sich künstlerisch frei zu entfalten. Seinen eigenen künstlerischen Herzschlag lebte Donke in der Musik, ob bei Willi Warma, Dynamo Urfahr oder Krüppelschlag, gemeinsam mit der aus Ottensheim stammenden Sophie Rois (die Anfangsjahre dieser so großartigen Schauspielerin) oder mit Christine Zigon.

Heute also diese unfassbare Nachricht! 56, nein, das ist kein Alter, auch nicht für ein schnelllebiges Stahlstadtkind!

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