Verlust von Verlässlichkeit

CIMG0538Bei diesem Text handelt es sich um einen Ausschnitt aus meiner Festrede als Vorsitzender der Reife- und Diplomprüfung an der HLW für Kommunikations- und Mediendesign der Kreuzschwestern in Linz, gehalten am 17.6.2016 anlässlich der Zeugnisverleihung:

„Was bleibt Ihnen, liebe Absolventinnen und Absolventen, von Ihrem Vorsitzenden? Sehr nüchtern und sachlich gesagt – eine Unterschrift auf Ihrem Reife- und Diplomprüfungszeugnis.

Mir ist das zu wenig. Ich habe eine Bitte an Sie. Sie ist in den vergangenen Tagen beim Zuhören bei Ihren Prüfungsleistungen entstanden und gewachsen. Sie präsentierten Ihr Wissen. Sie präsentierten Ihre Kompetenz, das Wissen auch anzuwenden, entsprechend von Vorgaben, Regeln, bedingt durch Fakten und Erkenntnisse, die wissenschaftlich und gesetzlich gesichert sind.

Mich erfüllt der Blick in die Gegenwart mit Sorge. Ich sehe in so vielem, was unsere Gesellschaft bewegt, in diesen Tagen, Wochen und Monaten einen Verlust von Verlässlichkeit.

Was meine ich damit?

In Handlungen, in Arbeitsprozessen, die das demokratische Gefüge unseres Zusammenlebens bedingen, macht sich ein Schlendrian breit. Die Basis für diese Handlungen und Arbeitsprozesse bilden allerdings, so wie es sich für einen demokratischen Staat gehört, Gesetze. Diese definieren die Norm, diese bestimmen den Handlungsrahmen.

Wir erleben dennoch, wie manche im Staat diesen Handlungsrahmen verletzen, aus welchen Motiven auch immer. Keine Frage, es gibt Instanzen, die diese Angriffe auf die Rechtsstaatlichkeit untersuchen und im gegebenen Fall auch sanktionieren.

Was allerdings von diesen Vorgangsweisen bleibt, ist der Zweifel, ob wir uns auch immer auf die vereinbarten Normen verlassen können. Wir verlieren Vertrauen und in weiterer Folge entsteht in unserer Gesellschaft ein Umgang miteinander, den der österreichische Schriftsteller Peter Turrini vor Jahren bereits in seiner Eröffnungsrede für das Brucknerfest in Linz in diesem einen Satz zusammengefasst hat: „Wir werden einander verdächtig!“

(…)

Genau das will ich, mit Blick auf aktuelle Ereignisse, von Ihnen, liebe Absolventinnen und Absolventen, fordern: Ich bitte Sie um ein mündiges selbstbewusstes Handeln. Ich bitte Sie um ein den Normen gerecht werdendes Vorgehen, in Ihrem Privat- und in Ihrem Arbeitsleben, in der Wirtschaft, in der Gesellschaft, in der Politik. Helfen Sie mit, dass die beschädigte Verlässlichkeit wiederhergestellt werden kann und wir uns einander nicht verdächtig sind oder werden, sondern im Vertrauen darauf, worauf wir uns verlassen können, begegnen. Nur so bringen wir uns in eine gelingende Zukunft.“

 

 

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