Goldgräberstimmung am Boulevard Erdberg

fringe@rabenhof: The Frontier Trilogy mit (von links) Jonathan Mathews, Bebe Sanders, Matt Beveridge und Sam Donnelly - Foto: Jethro Compton Productions/Rabenhof

fringe@rabenhof: The Frontier Trilogy mit (von links) Jonathan Mathews, Bebe Sanders, Matt Beveridge und Sam Donnelly – Foto: Jethro Compton Productions/Rabenhof

Unterhaltung sei, so lässt es uns Jethro Compton in seiner „writer & director’s note“ lesen, in der britischen Theaterwelt ein böses Wort, dieses trete gerne mit „kommerziell“ und „unbedarft“ oder „intellektuell anspruchslos“ auf. Doch Compton schert sich nichts darum. Er tauchte mit Filmen und dem Computerspiel Red Dead Redemption in die Welt des Wilden Westens ein und mit drei in sich geschlossenen Western-Einaktern wieder auf. In einer „Chapel“ für vielleicht etwas über 40 Besucher erzählt er sie so hautnah mit einer Schauspielerin und drei Schauspielern, wie dies der Unmittelbarkeit von Theater nur eigen sein kann. Zwei Reihen links, zwei Reihen rechts, dazwischen ein Gang auf knarzenden Brettern zum kleinen Altar, zwei Türen: in diesem Setting findet „The Frontier Trilogy“ statt, in den drei Teilen Blood Red Moon, The Clock Strikes Noon und The Rattlesnake’s Kiss. Für Leute mit Sitzplatz (es darf frei gewählt werden!) in den ersten Reihen sind die Schauspieler oftmals wörtlich zum Greifen nah. So stürzt man sich in das Faszinosum Western mit hier dem Guten, dort dem Bösen und den Treibmitteln von Rache, Macht, Erpressung oder dem Kampf zwischen technischem Fortschritt (Eisenbahn) und unbekümmertem Landleben.

Jeder der drei Teile mit einer Spieldauer von jeweils einer knappen Stunde steht für sich und kann auch als einzelnes „Volume“ gesehen werden. Der Trilogie-Gedanke fordere beim Schreiben, die Stories wollen gleichwertig gestaltet sein, so Compton, und er diene dem Marketing, denn hat der interessierte Zuschauer einen Part gesehen, will er wissen, ob die anderen an Spannung mithalten.

Der 28-jährige Theatermacher reüssierte mit seinem Ensemble und Team (exzellente Musik, ganz feines Sounddesign!) beim Edinburgh Fringe Festival, aus dessen Leitgedanken sich das Wiener Rabenhoftheater einen Auftrag gegeben hat: „(…) there are always nuggets of sublime and life-enhancing art to be discovered.“ So kommt es zu Fringe@Rabenhof. Ein paar sehr feine „nuggets“ hat sich das Theater im dritten Wiener Gemeindebezirk hier für seinen neuen Spielort im Apostelhof gesichert! Goldgräberstimmung! Die geniale Show gastiert dort (nur) noch bis 29. Oktober 2016!

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