Experten

Die Fußballnationalmannschaft, der Schiverband und das Schulsystem teilen sich in Österreich eine ganz besondere Rahmenbedingung. Sie arbeiten und wirken in einem Massenumfeld von Experten. Es ist ein gutes Land von Fußballtrainern, Schifahranalytikern und Bildungstheoretikern. 8,7 Millionen Einwohner – abzüglich jener Menschen, die im jeweiligen Bereich (Fußball, Schifahren, Bildung) tatsächlich tätig sind – wissen einfach, wie es geht. Nur die, die es tun (und professionell sind sie, weil sie dafür ausgebildet und geprüft worden sind und mit hohem Ethos ihrer Profession nachgehen), sind anscheinend zu blöd dazu. Laut und darin unüberhörbar ertönen darum die Zurufe, wie etwas, das im Land zumindest immer schon passabel und temporär mit Spitzenleistungen (Österreichs kurzfristiger zehnter Platz in der FIFA-Weltrangliste, Marcel Hirscher, das berufsbildende Schulsystem) geschieht, optimiert werden könne.

20161211_191648Die Expertisen resultieren daraus, dass sich der Österreicher schon immer mit den drei Gebieten seines Expertentums (Fußball, Schifahren, Bildung) auseinanderzusetzen hatte, zumindest passiv. Die jeweiligen Aktivphasen fallen unterschiedlich intensiv und lang aus und sind im Fall des Schulsystems teilweise historisch entrückt: geprägt von Erinnerungen, bestenfalls durch kurzfristige mitgestaltende Erfahrungen (Elternrolle) aktualisiert. Interessanterweise positioniert sich die Industriellenvereinigung zumindest einmal im Jahr mit Ideen zu Reformen des Schulsystems strategisch. Schon vor einiger Zeit regte ich an, dass Lehrervereinigungen (es muss ja nicht gleich die gewerkschaftliche Vertretung sein) doch jährlich ihre Vorstellungen zum Industriestandort Österreich publizieren wollten.

Die wahren Experten sind und bleiben denn doch jene, die in diesem Umfeld die gestellten Aufgaben in den gegebenen Rahmenbedingungen meistern, die die Besserwisser (statt -macher) reden lassen und für ihr jeweiliges System tun, was geboten ist. So spielt Österreich mal mehr, mal weniger erfolgreich Fußball, fährt mal mehr, mal weniger erfolgreich Schiweltcup, bildet mal mehr, mal weniger erfolgreich (PISA-Studie und ihre besondere Form von Testung) junge Menschen. Diese wahren Experten kennen die Umwelten ihres Handelns bestens, managen die durch viele Einflussfaktoren ausgelöste Veränderungsdynamik dieser Systeme und holen für die Beteiligten und auch die Ehre unseres Landes das Beste heraus.

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