Zur Zeit bellt der Hund

Ob gewählt oder nun bereits angelobt: wie Donald Trump nun tatsächlich umsetzen will, dass „America first“ Wirklichkeit wird, wie in seiner Antrittsrede am Capitol angekündigt, wird man wohl seinen tweets entnehmen müssen. Sonst tönte all das, was er anlässlich der Inauguration vor Augen und Ohren der Welt zu sagen wusste, nach einem mustergültigen Auftritt für jedes Populismus-Lehrbuch. Das Volk bekäme die Macht vom sich selbst schützenden Establishment zurück (zu dem der Milliardär Trump ja sicher nicht zählt, aber nein! Und die Regierung, die er einsetzt, auch nicht, nein, sicher nicht!). Die vergessenen Frauen und Männer werden nicht im Stich gelassen, das „Blutvergießen“ (??!!, was meinte er damit?) höre hier und heute auf. Trump beschwört für die USA einen neuen Nationalismus: Industrie und Arbeitsplätze für Amerika, Investitionen ins eigene Militär, in den Schutz der eigenen Grenzen. Mit „American hands“ gelte es, das Land wieder aufzubauen (nach welcher Zerstörung?), sodass es Jobs und Wohlstand gebe, Träume gelebt werden können. Amerika müsse stärker, reicher, sicherer, stolzer werden. Die Zeit der Worthülsen wäre vorbei, jetzt müssten Taten folgen. Sagte Trump.

Screenshot: So sieht sich der mächtigste Mann der Welt selbst beim Schreiben seiner Rede für die Inauguration

Screenshot: So sieht sich der mächtigste Mann der Welt selbst beim Schreiben seiner Rede für die Inauguration

Das ist anhaltender Wahlkampfmodus, der die These belegt, dass Populisten – erst recht, wenn sie an die Macht gekommen sind – nicht aus ihrem Fahrwasser lauter, überzeichnender und aggressiver Rhetorik herauskommen. Sie leben nur von dieser, verknüpfen sie mit unorthodoxen Verhaltensweisen in protokollarischen Belangen (sein „Däumchen hoch“ beim Betreten der Empore, naja!) und unterlaufen rechtsstaatliche Grundsätze, etwa der Akzeptanz einer kritischen „vierten Macht“ im Staat, nämlich der Medien („fake news“, „Lügenpresse“). Und das alles unter dem Appell göttlichen Schutzes! Auch bietet Amerika bei so einer Inauguration eine Schar von Geistlichen auf, die für Land und Präsident beten. Und doch macht es einen Unterschied, wie dies rhetorisch gesetzt wird. Zum Vergleich ziehe man den Schluss von Obamas jüngster Rede in Chicago heran.

So gehen die Vereinigten Staaten von Amerika nun in ein für vier Jahre anberaumtes Experiment. Was dieses für die Welt bedeuten kann, hat der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer in zehn Positionen zusammengefasst. Ob es so wird, wird sich weisen. Zur Zeit bellt der Hund. Solange er das tut, beißt er bekanntlich nicht.

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