„Wir müssen nur authentisch sein“

Copyright: Luna Filmverleih Wien – http://www.lunafilm.at

Benny und Marko haben Migrationshintergrund. In ihren Leben hat dies keine Bedeutung mehr. Bis zu dem Moment, als die beiden eine Sofascheußlichkeit aus den siebziger Jahren durch die Wohnanlage im „Grätzl“ (Bezirk) schleppen und ein Kamerateam die Rast mit Zigarette der beiden unterbricht: „Wir suchen für eine Doku Leute hier aus dem Viertel mit Migrationshintergrund. Und den habt’s ihr ja, oder?“

Der arbeitslose Schauspieler Benny (Faris Endris Rahoma) und Marko (Aleksandar Petrovic), ein Werbedesigner nach wirtschaftlicher Bauchlandung, wittern ihre Chance. Sie werden zu Omar (Sharif 2) und Tito, Migrantendarsteller, die ganz nach „method acting“ nun zu recherchieren versuchen, wie es denn ist, Migrant zu sein, als Migrant zu leben. „Wir müssen nur authentisch sein“, fordert Benny wiederholt ein.

Rudolfsgrund heißt das Grätzl, ein fiktionaler Lebensraum für eine Versuchsanordnung, die in Arman T. Riahis „Die Migrantigen“ als leichtfüßige Komödie daherkommt und dieses Genre genüsslich nützt, um darauf hinzuweisen, wie schwierig es ist, Wirklichkeit und Wahrheit in Deckung zueinander zu bringen. Die Suche nach diesen besonderen Ausschnitten von Wirklichkeit bringt auch Fernsehreporterin (Doris Schretzmayer) mit Kameramann und Tontechniker und die Möbelpacker in ein soziales Spannungsfeld. Die eine will die echte Dokumentation dessen, wie Migranten leben, der zuständige Redakteur fordert Quote. Den Schauspieler lockt die Sehnsucht nach Karriere  und den Werbedesigner Geld. Die besondere Intelligenz des Films steckt in unzähligen Details einer sozialkritischen Studie, die im Mantel bösen, mithin schwarzen Humors daherkommt. Besonders fein: Den Produzenten gelang es, so manche Prominenz selbst für Kleinstrollen zu engagieren, etwa Margarethe Tiesel als Bennys Mutter, Rainer Wöss als ihren Lover, Maddelena Hirschal als Klara, Klaus Rott als Boxtrainer, Dirk Stermann als Produzent eines Zeitgeistgetränks und Josef Hader als Filmregisseur, der Migranten für eine Rolle als arabischer Taxifahrer castet.

Sehr sehenswert, sehr lustig und ein kräftiges Statement zu unserer alternativfaktischen Gegenwart!

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