Was eine Stadt heute urban macht

Sammeln, bewahren, forschen: diese klassischen Aufgaben eines Museums werden seit jeher um das Präsentieren erweitert. So erwartet man sich in den Räumen eines Museums den Blick zurück in die Geschichte, dargestellt an materialisierten Spuren, die gesichert worden sind.

Anders geht es zur Zeit das Stadtmuseum Nordico in Linz (Oberösterreich) an. Der Präfix „Stadt“ bestimmt diesem ja den Fokus des musealen Handelns, nur schreibt man bis 5. November 2017 in der Ausstellung „Wege zum Glück“ nicht eine Geschichte (im Sinne von Historie) unumstößlich fest, sondern erzählt, welche Initiativen der Stadt eine besondere sozio-ökologische Charakteristik geben: für eine andere Nahversorgung, um mit Nachbarn in Dialog und Kooperation zu treten, um Bienenvölker zu pflegen, um Raum in der Stadt neu zu bestimmen, um Kaffeesatz als Biomüll zu Dünger für die Zucht von Austernpilze zu verwandeln. Erst diese Re- und Upcycler und all jene kreativen Geister, die den Mut besitzen, dem gesellschaftlichen Mainstream durch realisierte Utopien ein glücklicheres Zusammenleben abzutrotzen, machen ein Stadtleben bunt. Die Ausstellung funktioniert darum als große Informationsdrehscheibe und bietet in Workshops, den sogenannten „Glückswerkstätten“, auch Anlässe, die einzelnen Projekte kennen zu lernen. Man kann auch die von sechs Studierenden der Siebdruckwerkstatt an der örtlichen Kunstuniversität in der Stadt markierten Glücksorte per Landkarte aufspüren.

Zeichnung: Hannah Kordes, 2016 – Copyright: NORDICO Stadtmuseum Linz

Gastbeiträge aus Wien (mit Linz-Bezug der Akteure), Bern und Berlin zeigen, dass diese neue impulsive Kraft für Urbanität auch anderswo wirkt und wechselseitiger Informationsaustausch ein Motor für Weiterentwicklung sein kann. Da erkennt man dann auch, dass sich Pioniergeist erst zu einem bestimmten Zeitpunkt durchsetzt: die „Raubdruckerin“ (mit Handlungsschwerpunkt in Berlin und Amsterdam) verwendet öffentliche Oberflächen (z.B. Kanaldeckel) als Druckstöcke für sehr individuelle Kleidungsstücke. Solch avantgardistischen Aktionismus gab’s vor Jahren bereits in Linz, als eine Künstlerin Gedenktafeln mit Reliefs prominenter Linzer am Alten Rathaus auf Leinen abrieb, bevor diese im Zuge eines Umbaus in irgendwelchen Speichern verschwunden waren (blieben die Steinplatten überhaupt erhalten?).

Was Glück sein kann und wie wir es uns sicher erreichbar machen, diskutieren wir heute gern in Seminaren und Tagungen. Oft liegt es ganz nah, ein bisschen Veränderung an den Stellschrauben unseres Zusammenlebens genügt bereits. Es sind diese sozio-ökologischen – wenn man so will – „Glücksspritzer“, die einer Stadt in ihrem steten Tosen besondere Akzente von lebenswertem Ambiente geben. „Wege zum Glück“ im Linzer Stadtmuseum bestimmt den Status quo, ist darin Verbeugung vor dieser kreativen Kraft und artikuliert zugleich den Auftrag an uns alle: weiter so!

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