Starker Zug zum Tor

Der sich selbst streitbar nennende Politikberater Rudi Fußi twitterte unlängst, er wisse, dass er sich damit unbeliebt mache, aber „Frauenfußball ist für mich wie Männersynchronschwimmen. Eh toll, aber ich brauchs nicht“. Was Bundesligatrainer und ORF-Analyst Roman Mählich von Fußball spielenden Frauen hält, wurde dankbarerweise vom wöchentlichen TV-Satireformat „Willkommen Österreich“ in den Archiven ausgegraben. Als dritte Position nehmen wir die allseits ertönenden Beteuerungen dazu, man dürfe Männer- und Frauenfußball nicht miteinander vergleichen. Eine klassische Praeteritio, denn schon ist’s geschehen!

Screenshot in meinem Wohnzimmer: Torjubel nach Sarah Zadrazils 1:0 für Österreich

Gestern also Fußballfernsehabend, und ja, zugegeben, mein erstes Ländermatch im Frauenfußball: Was habe ich gesehen? Druckvolles Spiel mit starkem Zug zum Tor, Chance um Chance herausspielend, Kampfgeist, rasche Pässe, die auch bei den Mitspielerinnen ankommen, Lauffreudigkeit, technisch versierte Ballbehandlung, etwa im Corner in der 23. Minute, den Puntigam fast direkt ins Tor zirkelte, Fouls, bei denen die zu Boden gegangene Spielerin in Bruchteilen von Sekunden wieder steht und das Spiel sofort fortgesetzt werden kann (also das Prinzip „Anti-Schwalbe“), dreimal den Killerinstinkt, Fehler der Gegnerinnen unverschämt auszunutzen und Tore einfach zu machen, wenn Bälle einer innerhalb des Fünfers vor Fuß oder Kopf fallen. Auch die Dosierung der Team-Energie beeindruckte, insbesondere die Momente von Zurücknahme fürs Fokussieren auf ein neuerliches kraftvolles Pressing. Damit kontrollierten die Österreicherinnen Spiel und Gegnerinnen (die immerhin in der UEFA-Liste zum Zeitpunkt des Matchs noch fünf Plätze vor unserem Frauenteam lagen). Kurzum: Die männlichen Kollegen dürfen sich alles abschauen.

Dass dies alles von einer eintönigen männlichen ORF-Moderatorenstimme begleitet worden ist, die dem Fernsehpublikum mehrfach erklärte, dass die eine isländische Spielerin im Februar zum zweiten Mal Mutter geworden ist, die Spielerin Feiersinger die Tochter des erfolgreichen Ex-Nationalteamspielers sei, „gute Gene!“, und sie als Isländerin „Wolfgangsdottir“ hieße, richtet sich von selbst. Fußball-Österreich feiert einen großen Erfolg. Gruppensieg bei der UEFA-Euro der Frauen in den Niederlanden und Aufstieg ins Viertelfinale: Die Österreicherinnen besiegten die Isländerinnen klar mit 3:0. Hu!

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