Dr. Pedersoli oder Wie ich lernte, seine „Bombe“ zu lieben

Plakat zum Film – Motiv: http://www.budspencermovie.com/ Thimfilm

Das kommt davon. Student Karl-Martin Pold sucht sich ein Thema für eine Diplomarbeit im Fach Film- und Medienwissenschaften, rückt als alter Fan Bud Spencer in ihren Mittelpunkt und macht sich dann den Jux, einen Trailer für einen Dokumentarfilm ins Netz zu stellen, der eigentlich so nie geschehen sollte. Wann dieser Film ins Kino kommt, fragten daraufhin Fans aus aller Welt an.

Anders gesagt: Wer Fake-News verbreitet, ist keineswegs davor gefeit, die zuerst mutwillig, aber leichtsinnig konstruierte Wirklichkeit real werden zu lassen. Pold hat acht Jahre investiert, um in einem 122-minütigen Film nun einzulösen, was er ursprünglich nur vorgegeben hat. „Sie nannten ihn Spencer“ heißt der sympathische Film-Essay, der sehr lässig zwischen Roadmovie und Dokumentation hin- und herpendelt und in so vielen wunderbaren Details mindestens zwei Generationen, die mit den Filmen des – wortwörtlich wie übertragen – unschlagbaren Duos Bud Spencer und Terence Hill mitgegangen und mitgewachsen sind, viel Freude bereitet.

Mein Vater und ich hatten ja einen riesigen Narren an den Streifen der beiden gefressen und es gab zu Hause eine kostbare, Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre selbst durch Aufnahme im Kabelfernsehen erzeugte Spencer-&-Hill-Video-Sammlung. Die väterliche Schönhandbeschriftung erhob diese stilsicher zu einer Art Lexikon des Lebenswerks der beiden. Wir vergnügten uns prächtig bei den, zugegeben, immer gleichen Handlungsabläufen. Anscheinend waren die Prügelchoreografien, in Polds Film sprechen ehemalige Stuntmen diesbezüglich sogar von einem „Ballett“, hervorragend dazu geeignet, bei Männern Dampf abzulassen (ich erinnere mich nicht wirklich daran, dass meine Mutter und meine Schwester an der Rezeption teil hatten, es war mehr so der Herrenabend vorm Fernseh- und Videogerät in der Familie).

Selbst „low budget“ ist noch beschönigend – Foto: http://www.budspencermovie.com/ Thimfilm

Carlo Pedersoli, so hieß Bud Spencer im richtigen Leben, war Jurist, Leistungssportler im Schwimmen (mit Olympiateilnahmen) und Wasserball, Pilot, Modedesigner, Sänger, Komponist, Unternehmer. Filmwissenschaftler Christian Heger sagt in „Sie nannten ihn Spencer“, er lebte mindestens fünf Leben in einem. Der gebürtige Neapolitaner machte es ganz nach seinen eigenen Prinzipien und so deckt die Dokumentation, die in die Reise von zwei Fans durch halb Europa auf der Suche nach der Begegnung mit ihrem Idol eingebettet ist, vieles auf, was Fans wissen, aber in aller Kompaktheit natürlich gerne in dieser Würdigung zusammengefasst sehen. Darunter freilich auch die Schlagtechniken des sympathischen Dicken: beidhändige Doppelohrfeige, „Bombe“, Dampfhammer. Weggefährten aus der Kinolaufbahn kommen in ihren Erinnerungen zu Wort. Aus dem Off begleitet Thomas Danneberg, die Synchronstimme von Terence Hill, in einem von Rainer Brandt, dem deutschen Dialogregisseur der Spencer/Hill-Filme, mit den gut bekannten Kalauern verbrämten Text durch den Film.

Acht Jahre! Das ist schon eine gewaltig lange Produktionszeit, die der Film, für den „low budget“ noch eine unglaublich beschönigende Bezeichnung darstellt, brauchte, um zu reifen und schlussendlich dem im vergangenen Jahr 87-jährig verstorbenen Idol das zu setzen, was sich Bud Spencer verdient hat: ein Film-Denkmal!

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