In die Saiten hinein

BartolomeyBittmann am 8.9.2017 in Bad Schallerbach, Foto von meinem Sitzplatz aus (2. Reihe)

Irgendwann stolperte ich in YouTube über Les Pauli. Seitdem bin ich nach der Musik von BartolomeyBittmann süchtig. Zwei Virtuosen auf ihren Instrumenten, Matthias Bartolomey am Cello und Klemens Bittmann an der Geige und der von ihm selbst entwickelten Mandola, verlassen in dieser Duo-Konstellation vertrautes musikalisches Terrain (auf dem sie bestens eingeführt und unterwegs sind) und komponieren sich selbst Musik mit einem unverwechselbaren Sound, „den wir selbst einfach cool finden“ (Klemens Bittmann). Sich selbst bezeichnen sie als progressive strings aus Wien. Natürlich arbeiten sie kräftig in die Saiten hinein, ihre Finger vollführen dabei atemberaubende Tänze. Besonders stark gelingt ihnen ihr Groove, wenn sie ihre Instrumente auch perkussiv einsetzen und sich so Bartolomey und Bittmann wechselseitig Räume für mithin verschmitzte melodische Spielereien oder Improvisationen öffnen. Als leidenschaftliche Geschichtenerzähler geben sie ihrem Konzertabend wie beim aktuellen Programm „Neubau“ eine Gesamtdramaturgie und deswegen keine Pause. Und gewitzte Referenzpunkte: Die anscheinende Unterforderung während eines nur zehnminütigen Auftritts bei einem Festival in der Toskana, zwar belohnt mit einem schönen Wochenendaufenthalt, wurde von BartolomeyBittmann in der Komposition „Lucca Est“ (benannt nach einer Autobahnabfahrt) kompensiert. Das Stück „Harnoncourt“ verweist mit seinem Namen, wem es zugeeignet (Matthias Bartolomey ist Solocellist beim Concentus Musicus Wien) und zu Gehör gebracht worden ist. Im Konzert im Atrium von Bad Schallerbach (Oberösterreich) am vergangenen Freitag lässt Bartolomey das Publikum an der Vorstellung teilhaben, wie Nikolaus Harnoncourts Augen beim Hören immer größer geworden sein mochten. Die Kritik des Maestro fiel übrigens wohlwollend aus.

Hätte es dieser Prädikatisierung überhaupt noch bedurft? Ja, gerade in jener Musik, die experimentiert, die im Genre darum nur „Jazz“ heißt, weil es an Begriffen fehlt, ist ein Placet von einem Mann, der sich zeit seines Lebens der Authentizität von musikalischer Interpretation verpflichtet hat, von wegweisender Anerkennung. Ich leihe mir noch rasch Rhetorik bei Stermann & Grissemann: Hören Sie alle Musik, besuchen Sie jedes Konzert von BartolomeyBittmann!

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