Meine Parteipolitikverdrossenheit

Das Übermaß an „Information“ in Medien macht die Inhaltsleere dieses Wahlkampfs nicht wett

Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem auf jedem Fernsehkanal, in jedem Radiosender, in jeder Zeitschrift oder Zeitung. In den immer noch zähen vier Wochen bis zur Wahl in Österreich erreicht die Unerträglichkeit dieses Wahlkampfs, leer an Inhalten und nur dominiert von Polit(talk)show, Grenzen. Und überschreitet diese. Kreuzungspunkte im Straßenverkehr wachsen mit Plakatwänden zu, an Standorten, die kein Wirtschaftstreibender jemals (aus Verkehrssicherheitsgründen!) für seine Werbung nutzen dürfte. Politische Parteien dürfen das.

Überreich aus öffentlicher Hand dotiert, entwickeln Wahlkampfmanager unbegrenzt Blödsinn für die „Zeit fokussierter Unintelligenz“ (so Michael Häupl, noch Bürgermeister von Wien, vor Jahren). Streicht ihnen dieses sinnlos investierte Geld, appellierte vor wenigen Tagen Andreas Koller, der stellvertretende Chefredakteur der Salzburger Nachrichten. Es ist wie im Kindergarten: Spielzeug, mit dem die lieben Kleinen nicht umgehen können, müsste man ihnen für ihre eigene Sicherheit wegnehmen, sodass sie sich wieder aufs Wesentliche konzentrieren: das sind, – äh, wären Inhalte, Zukunftsperspektiven, Maßnahmen, die die Republik Österreich voranbringen. Bundespräsident Alexander Van der Bellen appellierte in der vergangenen Woche, die wahlberechtigte Bevölkerung möge sich Zeit nehmen, um sich Informationen zu beschaffen, welche wahlwerbende Bewegung wofür steht, um am 15. Oktober eine Entscheidung für eine gelingende Zukunft Österreichs treffen zu können.

Leicht gesagt, schwer getan! Denn dort, wo die Botschaften verkündet werden (sollten), prangen demagogische Sprüche, hinter deren Sinn (?) wenig zu erkennen ist, wie die Volksvertreter in ihrer nächsten Legislaturperiode das Land zu lenken gedenken. Ein Ende der Solidargemeinschaft, wenn sich jeder „holt, was ihm zusteht“ (SPÖ)? „Es ist Zeit“ (ÖVP) bzw. sei diese reif – wofür genau? „Fairness“ (FPÖ)! Im Werbespot, zur Zeit dominant vor YouTube-Produzenten aus Österreich, die keinen Einfluss darauf nehmen können, was für eine Art Werbung vor ihren Videos platziert wird, taucht der Kanzlerkandidat in verschiedenen Alltagssituationen auf und spricht den Satz, den die anscheinend debilen Bürger nicht zu sprechen in der Lage sind. Ein Robin Hood der unmündig gemachten Wählerschaft? „Sei ein Mann, wähle eine Frau“ (Grüne) – nur was will diese in den nächsten fünf Jahren Politik tun? Von den Begriffen in Spiegelschrift, durch die einen Gesichter anblicken, merke ich mir lediglich aus Ärger über die sinnentleerte Banalität „Euröpa“ (Neos).

Gern spricht man von Politikverdrossenheit. Inwieweit die ewig dauernde und in ihrer Stupidität die Wählerschaft verhöhnende Wahlkampfinszenierung ihren kräftigen Beitrag dazu leistet, würde sich zu untersuchen lohnen. Reden wir also lieber von einer Parteipolitikverdrossenheit, hausgemacht und darum gefährlich für den Fortbestand der Demokratie. Für zweifelnde Leser: natürlich gehe ich am 15. Oktober 2017 wählen. Was, ist und bleibt mein Wahlgeheimnis.

So ein Urnengang wirkt ja zuletzt befreiend. Die Omnipräsenz der lästigen Inszenierung hat binnen weniger Tage ein Ende. Im Idealfall sind auch Straßenkreuzungen nach einer Woche wieder plakatwandfrei und darum gut einsehbar.

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